Gestützte Kommunikation - Überblick


Die Methode der Gestützten Kommunikation (engl.: „Facilitated Communication", abgekürzt FC) stellt eine Möglichkeit für Menschen mit schweren Kommunikationsstörungen und neuromotorischen Beeinträchtigungen dar, sich durch Zeigen auf Objekte, Bilder oder Buchstaben mitzuteilen. Hierbei wird die betreffende Person von einer anderen Person („Stützer/in") zunächst an der Hand, später am Unter- oder Oberarm gestützt. Diese Stütze beinhaltet zwei Aspekte: zum einen dient sie der Stabilisierung der motorischen Kontrolle, zum andern dient sie als emotionale Unterstützung der Motivation und als Ermutigung der kommunizierenden Person.

Kommunikationsmedien können Buchstabentafeln, Symbolkarten, Sprachausgabengeräte oder Computer sein. In der Arbeit mit FC sollte ein vollständiges Ausblenden der Stütze als Ziel anvisiert sein.

Die Gestützte Kommunikation wurde Ende der siebziger Jahre von Rosemary Crossley in Australien entwickelt. Crossley arbeitet damals in einem Pflegeheim für geistig- und körperlich schwerstbehinderte Kinder in Melbourne. Sie machte die Entdeckung, dass einige dieser „schwerst-mehrfachbehinderten“ Kinder über beachtliche kognitive Fähigkeiten verfügten. Sie ermöglichte es ihnen daraufhin durch eine körperliche Unterstützung, mit dem Finger auf Gegenstände bzw. Symbole zu zeigen. So konnten diese Kinder erstmals zwischen verschiedenen Alternativen wählen und Einfluss auf ihr Leben nehmen. Crossley verwendet FC schließlich mit Erfolg auch bei der Arbeit mit autistischen Menschen und gründete das DEAL Communication  Center in Melbourne, Australien.


In den USA sorgte Prof. Douglas Biklen für die Verbreitung der Methode und gründete Anfang der neunizger Jahre auch das „Facilitated Communication Institute“ an der Universität in Syracuse, New York. Seine Assistentin Annegret Schubert importierte die Methode dann nach Deutschland, wo sie durch die Veröffentlichungen von Birger Sellin erstmals eine relativ große Medienaufmerksamkeit erlangte.

Allerdings gibt es viele „Einzelfälle“ in Deutschland, wie zum Beispiel Dietmar Zöller, die schon seit über zwanzig Jahren mittels FC kommunizieren. Prinzipiell ist diese Methode sehr umstritten, da ihre Wirksamkeit noch nicht als wissenschaftlich bewiesen gilt.

Kritiker der Gestützten Kommunikation unterstellen dem Stützer, dass er/sie die Hand des FC-Schreibers unbewusst zu den Buchstaben hinführt und so seine Aussagen manipuliert. Die Nachricht, die vermittelt wird, sei die des Stützers und nicht des Schreibers. Darüber hinaus wird an den intellektuellen und sprachlichen Fähigkeiten der Schreiber gezweifelt. Menschen, deren Diagnosen „Schwere geistige Behinderung“, „Autismus“ o.ä. lauten, wären nicht in der Lage, sich autodidaktisch sprachliche Fähigkeiten anzueignen. Untermauert wird diese Kritik von quantitativen Studien, die Anfang/Mitte der neunziger Jahre hauptsächlich in den USA durchgeführt wurden.

Auch neuere Veröffentlichungen von Nußbeck oder Biermann stützen ihre Kritik an der Methode auf diese Untersuchungen. Allerdings wurden auch Studien durchgeführt, welche die Validität von FC herausstellten (z.B. die Münchner Studie von Bundschuh/Basler-Eggen).
Ein Ende dieser (zum Teil sehr fruchtbaren) wissenschaftlichen Diskussion ist wohl noch nicht abzusehen.

In Deutschland hat FC inzwischen Einzug in einige Sonderschulen, Wohnstätten, Werkstätten oder Therapiezentren und nicht zuletzt Familien erhalten. Dies gilt insbesondere für die „FC-Hochburgen“ Berlin, München, Köln, wo schon verschiedene Projekte bezüglich FC durchgeführt wurden.

 
     
     
   
<- zurück | top | vor ->

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 13.04.2004 20:00

 
© kometh.net 2000-2003